Vom Absprung

Heute bekommt Ihr den aktuellen Produktionsstand von:

“Wenn die neuen Zeiten anbrechen”
Anke Johannsen · Wenn Die Neuen Zeiten Anbrechen

Noch bevor wir unseren Balkon in Betrieb nehmen können, übernehmen das jedes Frühjahr aufs Neue die Meisen für uns. Nach den Kohlmeisen der letzten Jahre hat uns in diesem Jahr zum ersten Mal ein Blaumeisen-Paar beehrt und uns, kaum war der Nachwuchs geschlüpft, eine Versorgungs-Performance geboten, die ihresgleichen sucht.

Ich könnte mittlerweile mindestens ein kleines Buch darüber schreiben, welche Freuden uns die Meisen in den letzten Jahren bereitet haben und mit welchen Herausforderungen wir es über die Zeit zu tun bekommen haben. Unvergessen beispielsweise das wütende Meisen-Baby aus dem vorletzten Jahr, das sich auf unserem Balkon verirrt hatte und erst losflog, nachdem seine Eltern und wir über einen Zeitraum von 24 Stunden mit diversen kreativen Interventionen wie einer gebastelten Rampe nachhalfen.

Warum ich das erwähne?

Zum einen, weil ich meine Freude und mein Staunen mit Euch teilen möchte, dass gestern alle sechs (!) Meisen-Babies flügge geworden sind. Sie haben dafür praktischerweise einen Sonntag gewählt, an dem wir zu Hause waren. So konnten wir zum ersten Mal mitzählen und erleben, wie jede kleine Meise auf ihre eigene Weise den Kopf aus dem Loch steckte und den Absprung wagte.

Ich erwähne das zum anderen aber auch, weil dieses Bild sehr gut passt zu den kreativen und musikalischen Tagen, die hinter mir liegen.

Ich hatte darauf hingearbeitet, Euch am Freitag zu versorgen – in diesem Fall mit dem Zwischenstand der Produktion meines Songs “Wenn die neuen Zeiten anbrechen”. Nur habe ich den Absprung am Freitag nicht so recht gefunden und bin am Wochenende in Verlängerung gegangen, weil ich hier noch was ändern und da noch was polieren wollte.

Ein kleines Dilemma: Einerseits möchte ich Euch teilhaben lassen an offenen Prozessen, seien sie denkender, experimentierender oder künstlerischer Art. Andererseits möchte ich Euch Qualität bieten. Wo den Absprung finden, zu sagen: “Das ist jetzt gut genug, wenn es auch noch nicht fertig ist.”?

Die Meisen-Babies haben gestern vorgelegt. Heute bin ich dran. Der künstlerischen Entscheidung, heute endlich zu springen, folgte die technische Herausforderung. Mit den vielen Instrumenten- und Gesangsspuren (wer von Euch errät, aus wie vielen Spuren der Chor-Teppich am Ende besteht?) habe ich mein Audio-Programm bzw. die sog. “Audio-Engine” vorübergehend an seine Grenzen gebracht. Autodidaktin, die ich in fast allem bin, war ich mal wieder dankbar für die Hilfe zur Selbsthilfe, die das Internet bereithält. Seit heute Nachmittag läuft alles wieder geschmeidig genug, um das musikalische Ergebnis der letzten Tage loszuschicken in Eure Richtung.

Vielleicht erinnert Ihr Euch, dass das Album, das hier nach und nach entsteht, diesen Arbeitstitel trägt: “Viele Antworten und noch mehr Fragen”. Der heutige Song ist gleichermaßen Teil einer Frage und Antwort:

(Was bleibt…) “Wenn die neuen Zeiten anbrechen”?

Einen Tipp lasse ich Euch noch da in Sachen Musik-Streaming.
Carolin Kebekus trifft mit ihrer Tonalität zwar eher selten meinen Geschmack. Dafür beeindruckt sie mich immer mal wieder mit ihren Inhalten und Botschaften. In dieser Viertelstunde erklärt und besingt sie das Geschäftsmodell von Spotify.
An einer Stelle bemerkt sie, Apple Music sei auch nicht viel besser. Dazu würde ich aus Sicht der Musikerin sagen: Doch, ist es. Denn immerhin bietet Apple die Möglichkeit, Songs und Alben zu (ver-)kaufen, wovon bei Musiker:innen deutlich mehr ankommt. Durch den Musik-Erwerb wiederum ist keine dauerhafte Bindung an ihr Streaming vonnöten. Spotify hingegen lässt keine andere Wahl als sich dauerhaft abhängig zu machen.


Reime der Woche

Ich sammel meine Stücke auf
Schließe diese Lücke, lauf
keinem Bild mehr hinterher
Dieses Spiel spiel ich nicht mehr

Zeilen, die mir in den Sinn kamen, als ich mich vor ein paar Tagen während eines Fußwegs fragte, ob ich mal einen Song darüber schreiben sollte, mit welchen Rollen/Erwartungen/Zwängen sich Frauen auseinandersetzen müssen.

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